Blogovela: The Tomato-Diaries Teil III

Mein-Wohn-Bloggerin Tine ist seit mittlerweile fünf Jahren stolze Hausbesitzerin und wohnt mit ihrem Mann und den zwei Kindern auf dem Land. Bis dahin war es aber ein weiter Weg und sie hat eine Menge Hochs und Tiefs beim Hauskauf erlebt, von denen sie hier mit Auszügen aus ihrem Tagebuch berichtet. Im zweiten Teil des Blogs erzählt sie davon, welches die ersten konkreten Gedanken und Schritte zum Hauskauf waren. Im dritten Teil geht es jetzt um einen ganz besonderen Streit, die erste Besichtigung und doofe Maklersprüche. 

SAMSTAG, 4. September 2010
So, jetzt hab ich es getan: die letzten Tomaten sind abgeerntet und liegen in Zeitungspapier eingeschlagen auf der Arbeitsplatte in der Küche! Wehe, wenn das nicht klappt... Andererseits, rot wären die auf dem Balkon wohl nicht mehr geworden und so haben wir wenigstens noch eine Chance auf ein wenig eigenes Gemüse. Und die Pflanze werde ich schweren Herzens entsorgen, auch wenn das Herzblatt immer noch nicht ganz überzeugt ist… Aber das Überwintern ist laut Internet wahnsinnig aufwendig und wir haben in den nächsten Wochen und Monaten genug mit Besichtigungen und dann ja hoffentlich auch bald mit einem Umzug vor uns. *träum*

SONNTAG, 5. September 2010
Ich bin gerade soooo sauer!! Das Herzblatt will jetzt doch tatsächlich unseren Termin bei der Verbraucherzentrale absagen - er findet das übertrieben! Der spinnt doch. Was denkt er denn, wie das alles laufen soll. Wir sind immer noch keinen Schritt weiter mit dem Hauskauf und einen Besichtigungstermin haben wir auch noch nicht vereinbart! AAAARG!

MONTAG, 6. September 2010
Juche - ich bin verlobt!! Das verrückte Herzblatt hat mir doch tatsächlich gestern Abend den schlechtesten Heiratsantrag der Welt gemacht. Also nein, eigentlich noch nicht mal das – er hat mich quasi beleidigt und trotzdem alles richtig gemacht! Aber von vorn: Wir haben uns gestern Abend noch richtig wegen dieses blöden Termins am Dienstag in die Haare gekriegt und irgendwann hab ich ihn dann in meiner Wut gefragt, ob er denn überhaupt noch mit mir zusammen ein Haus kaufen will. Und, dass ich das Gefühl habe, dass er gar nichts dazu beiträgt und eh in letzter Zeit ständig mit seinen Gedanken woanders ist und sich gar nicht mehr in das Thema Hauskauf einbringt. Und als ich gerade so richtig in Fahrt war und mal wieder viel zu laut und hysterisch rumgezickt habe, ist er ganz ruhig zu seiner Nachttischschublade gegangen, hat eine Schatulle rausgeholt und hat doch tatsächlich gesagt: „Wir brauchen keinen blöden Termin ,Immobilienfinanzierung ohne Trauschein`, weil ich Dich alte Ziege heiraten will, bevor wir ein Haus kaufen! Und wenn Du nicht so rumkeifst, dann frag ich dich auch noch mal richtig .“ Daraufhin ist mir tatsächlich die Spucke weggeblieben und ich hab gar nichts mehr sagen können. Ich hab nur gemerkt, wie mir total heiß wurde und mein Herz plötzlich so wild geschlagen hat, dass ich kurz dachte: „Oh nein, jetzt nicht ohnmächtig werden.“ Und dann ist das Herzblatt auf die Knie gegangen und hat gefragt: „Willst Du mich heiraten?“ Total kitschig - wie im Film! Und irgendwie hab ich ganz automatisch „Ja“ gesagt. Mein Hirn war dabei total leer und ich hab mich einfach nur in seine Arme geschmissen…
So unperfekt die ganze Situation nach außen wirken mag, so sehr hat sie doch genau uns entsprochen. Alles was das Herzblatt eigentlich geplant hatte (das war auch der Grund für seine Unkonzentriertheit in letzter Zeit – er hat die ganze Zeit geheimniskrämert) ist jetzt hinfällig. Aber er hat mir einen wunderschönen Ring ausgesucht und ich weiß einfach, dass wir das tollste und coolste Ehepaar der Welt werden. „Ehepaar“ - wie das klingt, ich bin dann VERHEIRATET und das Herzblatt wird mein MANN. Abgefahren!

DIENSTAG, 7. September 2010
Es sind alle ganz aufgeregt!! Ich hab gestern ungefähr jeden Menschen, den ich kenne, angerufen und ihm erzählt, dass ich das Herzblatt heiraten werde! (…) Ach und den Termin bei der Verbraucherzentrale haben wir in eine „normale“ Beratung umgewandelt und auf nächste Woche verschoben.

FREITAG, 10. September 2010
Die Ereignisse fangen an, sich zu überschlagen. Bei dem einen Haus, das wir in Kirchwerder gefunden haben, findet jetzt tatsächlich schon morgen ein Besichtigungstermin statt! Ich bin schon wieder total aufgeregt! Da steht mitten in Kirchwerder ein altes Reetdachhaus aus dem Jahr 1650!! Das sieht auf den Bildern traumhaft aus! Und es hat so eine wunderschöne nostalgische blau-weiße Eingangstür. Und es gibt eine Tenne, die das Herzblatt als Werkstatt umbauen könnte, so dass sein Traum von Wohnen und Arbeiten an einem Ort tatsächlich wahr werden könnte. Und Kirchwerder ist auch noch Teil von Hamburg, so dass ich auch noch gut zur Arbeit kommen würde. Hoffentlich ist das in Natura genauso schön wie im Exposé.

SAMSTAG, 11. September 2010
Was für ein Reinfall!! Die Besichtigung vorhin war eine absolute Vollkatastrophe! Abgesehen davon, dass es die ganze Zeit geregnet hat und das Grundstück quasi abgesoffen ist, war das Haus selbst eine Zumutung! Die Bilder im Exposé waren nicht nur mehrere Jahre alt, sondern auch noch so geschickt aufgenommen, dass man wirklich nur die absoluten Highlights erspähen konnte. Als wir reinkamen, standen wir erstmal in einem total dunklen Flur, in den lediglich durch die drei kleinen Glasscheiben der Haustür Licht einfiel. Und die Decke war so niedrig, dass sich das Herzblatt mit seinen knapp zwei Metern fast den Kopf gestoßen hätte. Außerdem war alles mit dunklem Holz verkleidet und die zugegeben sehr schöne Haustür hat so dermaßen gezogen, dass es mich direkt gefröstelt hat – obwohl ich eine Regenjacke anhatte. Das Einzige, was schön war, war der Ofen. Das stell ich mir total gemütlich vor: wenn es draußen kühler wird, sitzen wir beide vor dem Kamin und es ist kuschelig warm. Alles andere an dem Haus ging aber gar nicht.

Makler haben teilweise eine ganz eigene Sprache - und ganz eigene Vorstellungen, für welche Leistungen sie Ihre Maklercourtage in Höhe von bis zu 7,5 % des Kaufpreises erhalten.

Und dann noch der schnöselige Makler, der uns dann allen Ernstes gefragt hat, was wir denn bei dem Preis erwartet hätten. Und schließlich hätte im Exposé ja auch gestanden, dass das „Liebhaberobjekt“ eine „Perle ist, die zu neuem Leben erweckt werden will“. Also das Internet hat Recht: bei einer Besichtigung lernt man eine ganze Menge!! Nämlich vor allem, die Anzeigen so genau zu lesen wie es geht und zu erraten, was genau, welche Formulierungen bedeuten soll. Vielleicht sollte mal Jemand einen Sprachführer maklerdeutsch – deutsch herausbringen.

Die besten Maklersprüche findest Du hier.

Wir haben aber auf jeden Fall gelernt, dass wir beide einen Kamin oder Kachelofen ganz toll finden und eins von beidem sein muss! Vielleicht kann man da ja auch eine Lösung finden, die sich mit einer Heizung kombinieren lässt, so dass es nicht nur von vorn warm ist 😉

Über diesen Autor

Tine, 37, lebt mit ihrem Herzblatt und zwei Kindern auf dem Land! Wenn sie genug gespart hat, findet hoffentlich das ein oder andere Smart-Home-Gadget seinen Platz in ihrem Haushalt.

 

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