Vitamine vom Balkon: Gemüsegarten auf kleinem Raum

Gesund und unschlagbar frisch: Auch auf dem Balkon ist Platz für Vitamine – und manchmal reicht sogar die Fensterbank für einen kleinen Gemüsegarten.

„Schnucki, fürs Abendessen brauchen wir noch Auberginen, Tomaten, Salat und eine Gurke.“
„Gern, mein Hase, soll ich sonst noch etwas vom Balkon mitbringen?“
Die Zucchini links, der Salat rechts vom Liegestuhl und der Rosmarin von der Fensterbank: Klar fragen wir uns, woher unser Essen kommt. Und nachhaltiger als vom eigenen Balkon geht’s nicht. Transportwege und Verpackung fallen weg, über Pflanzenschutzmittel und Dünger haben wir die volle Kontrolle. Neben der Nachhaltigkeit spricht für den Gemüsegarten in den eigenen vier Wänden aber noch mehr: Er spart Geld, die Früchte können zum perfekten Reifezeitpunkt geerntet werden, obendrein schmeckt selbst angebautes Gemüse nicht einfach nur gut, sondern nach Selbstmacher-Stolz und Gärtnerliebe.

Vertikaler Gemüsegarten: Hochstapeln statt Breitmachen

Es muss ja nicht gleich der Kartoffelacker auf der Dachterrasse sein. Für die meisten Kräuter und einige Snack-Gemüse reicht statt Garten sogar eine Fensterbank. Wer mehr will, kann sich über Pflanzkübel und Hochbeete bis zum kleinen Gewächshaus auf dem Balkon steigern. Nicht nur praktisch bei Platzmangel, sondern auch optisch ein Hingucker: ein vertikaler Gemüsegarten. Wer Kästen und Töpfe etagenweise in die Höhe stapelt oder an der Wand montiert, gewinnt Raum. Mit ausrangierten Leitern, Regalen oder sogar Europaletten lassen sich mit ein paar Tipps aus dem Netz individuelle Gemüsehochhäuser bauen. Aber auch im Gartenhandel gibt’s fertige Modelle.

Am Anfang steht die Entscheidung: säen oder fertige Pflanzen kaufen? Ersteres ist günstig, aber etwas aufwändiger. Größere Gewächse wie Tomaten und auch manche holzigen Kräuter brauchen zudem Zeit zum Wachsen. Es lohnt sich, sie früh im Jahr drinnen vorzuziehen und erst dann nach draußen zu stellen, wenn ganz bestimmt kein Frost mehr droht – das ist normalerweise spätestens nach den Eisheiligen im Mai der Fall. Ein Trick: nach dem Säen Frischhaltefolie über Topf oder Kasten spannen – fertig ist das Mini-Gewächshaus.

Zum Vorziehen bieten sich kleine Anzuchttöpfchen an, die später mit eingepflanzt werden und sich auflösen. Notfalls tun es aber auch Eierkartons. Wichtiger ist ohnehin, was im Topf drin ist: Spezielle Kräuter- und Anzuchterde enthält alle Nährstoffe und Mineralien in der Zusammensetzung, die zum Wachsen nötig sind. Das reicht zumindest für den Anfang. Arten mit hohem Nährstoffbedarf wie Petersilie oder Tomaten brauchen auf die Dauer aber manchmal noch mehr.

Wer auf Nummer sicher gehen oder sich Arbeit sparen will, versorgt sich statt mit Samen einfach mit vorgezogenen Pflanzen aus dem Gartencenter, die sofort nach draußen dürfen. Auch die sollten aber in einen ausreichend großen Topf mit nährstoffreicher Erde umziehen.

Gemüse und Kräuter vom eigenen Balkon: Nachhaltiger geht’s kaum

Für Neulinge mit wenig Platz: Kräuter

Wer in Sachen Garten klein anfangen will, legt am besten mit Kräutern los und hat die Qual der Wahl: mediterran oder asiatisch? Exotisch oder klassisch? Oder einfach gleich alles? Die Auswahl ist groß. Neben Küchenklassikern wie Schnittlauch und Petersilie sind mediterrane Arten wie Rosmarin, Thymian und Oregano nicht nur aromatisch, sondern auch optisch zwischen Blumen eine ansprechende Ergänzung. Ein Allrounder ist Pfefferminze: Wer einmal Tee aus frischen Blättern getrunken hat, will nie wieder Teebeutel. Zudem macht sich ihr kühles Aroma für sommerliche Rezepte wie Taboulé gut. Es geht aber auch exotischer: Koriander, der in viele Thai-Gerichte gehört, lässt sich ebenfalls wunderbar zu Hause anbauen und hat frisch am meisten Geschmack. Viele Kräuter lieben übrigens Sonne und Wärme und brauchen einen entsprechend hellen Standort. Wasser nicht vergessen, aber nicht übertreiben – dauerhaft nasse Füße sind auch bei Pflanzen oft unbeliebt.

Für Fortgeschrittene: Gemüsegarten auf dem Balkon

Fortgeschrittene Selbstversorger mit mehr Platz können sich mit einem richtigen Gemüsegarten auf dem Balkon austoben. Fast alles für ein frisches, gesundes Abendessen lässt sich selber anbauen. Für Tomaten, Auberginen, Chili und Paprika reichen große Kübel mit Holzstäben, an denen sich die Pflanzen anlehnen können. Möhren passen logischerweise nicht einfach in den Blumenkasten – sie brauchen Platz nach unten zum Wachsen. Für sie und andere knollige Gemüse sowie Salat bietet sich ein Hochbeet an. Ist es groß genug, passen auch Kartoffeln, Zucchini und Kürbis rein. Achtung: letztere ranken gern über den Boden und brauchen dafür freie Bahn. Bohnen und Zuckererbsen wollen lieber hoch hinaus und benötigen Kletterhilfen. Antworten auf alle individuelle Pflege-Fragen gibt’s im Netz reichlich.

Darf es jetzt noch etwas Süßes sein? Erdbeerpflanzen passen überall noch dazwischen und es gibt sie in vielen Varianten. Aber in Sachen Obst geht noch mehr: Wer langfristiger plant und einen sonnigen Balkon oder sogar Wintergarten hat, kann auch Orangen und Zitronen von eigenen Bäumen im Kübel ernten.

Übrigens ein weiterer Vorteil beim Garten in der Etagenwohnung: Wühlmäuse, Schnecken und andere Mitesser kommen schlecht die Wände hoch und können sich weder über Wurzeln, noch Blätter oder wachsende Früchte hermachen. Trotzdem ist eine Haube fürs Hochbeet am Anfang sinnvoll, um ein wärmeres Klima zu schaffen und eventuell Vögel fernzuhalten – oder die eigene Katze…

Zahlen und Fakten:

  • Für ein Hochbeet von 1 x 1 x 0,5 Meter braucht man neben anderen Materialien 300 bis 400 Liter Blumenerde und Kompost.
  • Der frühe Gärtner fängt die Tomate: Mit dem Vorziehen drinnen schon im März beginnen.
  • Nach den Eisheiligen (11. bis 15. Mai) ist es normalerweise frostsicher: Die Pflanzen dürfen nach draußen umziehen.
  • Je nach Sorte lassen sich von einer gepflanzten Kartoffelknolle bis zu einem Kilogramm Kartoffeln ernten.
  • Weltweit gibt es über 3.000 angemeldete Tomatensorten – und mindestens noch einmal genau so viele inoffizielle. (Quelle: Wikipedia)

Fotos: Production Perig – stock.adobe.com; ingusk – stock.adobe.com

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2 Kommentare

  1. Vielen Dank für den schönen Beitrag. Sowas wollte ich auch schon immer mal machen und ich denke manche Sachen eignen sich ja auch für den Wintergarten oder? Da ist es meist aber eine Platzsache, damit man auch einigermassen viel anbauen kann, ohne dass es überladen aussieht.

  2. Vielen Dank! Das geht bestimmt auch im Wintergarten – berichte doch gern, was daraus geworden ist. 🙂 Viele Grüße Nina von MeinWohn.Blog

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