Autonomes Fahren: Wie uns die Zukunftstechnologie immer näher kommt

Ein MAnn nimmt auf der Autobahn die Hände vom Steuer und lässt den Wagen selbständig fahren.

Habt ihr schon einmal etwas von den fünf Levels zum selbstfahrenden Auto gehört? Wohnblogger Marc erklärt euch, was dahintersteckt und wie weit die Technologie heute schon vorangeschritten ist.

Im letzten Oktober konnte ich in der Hamburger Hafencity eine kleine Sensation bestaunen: HEAT. Die Abkürzung steht für „Hamburg Electric Autonomous Transportation“ und ist ein Projekt der Hamburger Hochbahn AG, das ist unser regionaler ÖPNV-Anbieter. Und was genau gab es dort zu bestaunen? HEAT ist ein Shuttlebus, der – wenn alles gut läuft – ab Herbst 2021 als autonom fahrender Linienbus ganz regulär in der Personenbeförderung eingesetzt werden soll – auf einer Kurzstrecke mit fünf Haltestellen.

Wenn ihr aus Lauenburg , Monheim oder Bad Birnbach kommt, werdet ihr jetzt sagen: „Was soll daran so besonders sein? Solche autonom fahrenden Kleinbusse gibt es bei uns längst.“ Dann antworte ich euch: „Aber unser autonomer HEAT-Bus wird schneller sein als eure lahmen Personenbeförderungsenten. Und das sind die harten Fakten: HEAT macht bis zu 25 km/h!“ Zur Erläuterung für alle Außenstehenden: Die bisher genehmigte Höchstgeschwindigkeit für solche autonom fahrenden elektrischen Kleinbusse liegt bei 15 km/h.

Die fünf Stufen des automatisierten Verkehrs

Dieser kleine Schwank aus meinem Leben zeigt, dass autonomes Fahren immer mehr Einzug in unsere Mobilität und die Verkehrsplanung in Deutschland hält. Einerseits zumindest. Andererseits verdeutlichen die niedlichen Geschwindigkeitsrekorde dieser E-Busse, dass autonomes Fahren noch immer in den Kinderschuhen steckt. Heutzutage hat zwar fast jeder Neuwagen zumindest ein paar innovative Fahrfähigkeiten an Bord und manche Autos wie die Teslas auch schon beeindruckend viel. Die Entwicklung ist aber noch lange nicht abgeschlossen.

So richtig deutlich wird das, wenn ihr euch die fünf Stufen des autonomen Fahrens anschaut, nach denen Verkehrsexperten die Technologie einteilen und die ich euch hier vorstellen möchte. Damit seid ihr beim nächsten Auto-Talk nicht nur eine Felgenlänge voraus 😉, sondern habt auch einen wirklich guten Überblick über die Entwicklung der Technologie des autonomen Fahrens.

Level 1: Assistiertes Fahren

Diese erste Stufe des autonomen Fahrens gehört schon seit vielen Jahren bei vielen Fahrzeugen zum Standard: Unter das assistierte Fahren fallen Features wie der gute alte Tempomat oder modernere Fahrerassistenzsysteme wie aktive Geschwindigkeitsregelungen, zum Beispiel beim Stop-and-Go-Verkehr oder beim Fahren mit Abstandstempomat, automatische Spurhalteassistenten oder Bremssysteme mit Auffahr- und Personenwarnung.

All diese Technologien haben die Gemeinsamkeit, dass ihr als Fahrer das Lenkrad immer noch fest in der Hand und den Verkehr im Blick behalten müsst. Assistiertes Fahren ist nur als Unterstützung gedacht, bei dem das System für etwas Komfort und eine etwas größere Portion Sicherheit sorgen soll: Fahrer und System fahren das Auto gemeinsam. Denn technologisch gesehen bieten Systeme für assistiertes Fahren keine 100-prozentige Zuverlässigkeit.

Level 2: Teilautomatisiertes Fahren

Unter diese Kategorie fallen Fahrerassistenzsysteme, bei denen bis zu zwei Technologien des assistierten Fahrens miteinander kombiniert und dabei von einem Bordcomputer koordiniert werden. Das Auto kann auf diese Weise kurzzeitig bestimmte Fahrmanöver selbstständig ausführen: zum Beispiel automatisch einparken, überholen oder das Fahrzeug lenken und dabei Abstand und Spur halten.

Im Unterschied zum assistierten Fahren übernimmt das System beim teilautomatisierten Fahren kurzzeitig und unter bestimmten Bedingungen die Regie, steuert das Fahrzeug, bremst und beschleunigt. Der Fahrer ist währenddessen aber nicht von der Führung des Fahrzeugs entbunden, sondern muss selbst aktiv Tätigkeiten ausführen, wie zum Beispiel die Beobachtung des Verkehrs. Wichtig: Bei Unfällen seid ihr als Fahrzeugführer weiterhin voll verantwortlich.

Level 3: Hochautomatisiertes Fahren

Mit dieser Stufe betreten wir die Gegenwart des autonomen Fahrens. Dabei unterscheidet sich das hochautomatisierte Fahren, technisch gesehen, grundsätzlich nicht so sehr vom teilautomatisierten Fahren: Das Fahrzeug führt jedoch hier schon in bestimmten deutlich anspruchsvolleren Situationen während der Fahrt autonome Manöver aus. Die Technologie des Fahrzeugs muss beim hochautomatisierten Fahren daher sehr weit vorangeschritten sein. Dazu benötigt das Fahrzeug eine Vielzahl von Sensoren und intelligenten Algorithmen, mit denen die Umgebung in Echtzeit beobachtet und analysiert wird.

Vom hochautomatisierten Fahren sprechen Verkehrsexperten erst dann, wenn ein Fahrzeug dazu in der Lage ist, sich zumindest zeitweise von ganz allein, also ohne jede menschliche Steuerung, im Verkehr zu bewegen. Der Fahrer kann seine Aufmerksamkeit währenddessen theoretisch anderen Dingen zuwenden: zum Beispiel auf der Autobahn hinter dem Fahrersitz Geige spielen, wie ich das mal bei einem augenscheinlich sehr musikalischen Tesla-Fahrer gesehen habe.

Was dieser Geiger jedoch nicht beachtet hat: Hochautomatisiertes Fahren bedeutet nicht, dass ihr während der Fahrt die Aufmerksamkeit von der Straße abwenden solltet. Zwar können die besten High-Tech-Pkws heutzutage besonders auf Autobahnen schon weitgehend automatisiert fahren, als Fahrer müsst ihr aber immer dazu in der Lage sein, die Führung eures Autos umgehend wieder zu übernehmen. Sonst könnt ihr bei einem Unfall haftbar gemacht werden.

Level 4: Vollautomatisiertes Fahren

Hier beginnt die Zukunftsmusik des autonomen Fahrens. Beim vollautomatisierten Fahren ist die Technologie des Fahrzeugs so weit vorangeschritten, dass es dazu in der Lage ist, komplexe Situationen wie Autobahnfahrten, Stadtverkehr oder Überlandfahrten selbständig zu meistern. Dafür muss das Fahrzeug einerseits dazu in der Lage sein, in ungewöhnlichen Situationen die richtige Entscheidung zu treffen. Es muss zum Beispiel eine schlecht ausgezeichnete Baustelle umfahren können. Andererseits muss es sehr komplexe Aufgaben ausführen können: zum Beispiel über eine Autobahnauffahrt in den Verkehr einfädeln, im Stadtverkehr Spurwechsel durchführen oder das Fahrzeug verkehrsgerecht anhalten.

Was bedeutet das vollautomatisierte Fahren für den Fahrer? Das Fahrzeug könnte kleinere Fahrmanöver wie die Fahrt aus der Parkgarage eventuell vollständig ohne Fahrer ausführen. Während der Fahrt könnt ihr euch als Fahrer voll und ganz auf andere Dinge konzentrieren: lesen, die Kinder bei Laune halten – oder eben Geige spielen. Auf diese Weise werdet ihr als Fahrer beim vollautomatisierten Fahren teilweise zugleich zum Passagier.

Ein Finger schwebt über dem Button "Autonomous Driving"
Die letzte Stufe der Autonomisierung ist, wenn der Mensch komplett die Kontrolle an das Fahrzeug abgibt.

Level 5: Autonomes Fahren

So richtig überflüssig werden Fahrer aber erst mit Erreichen der letzten Stufe des autonomen Fahrens. Diese beginnt erst dann, wenn Fahrzeuge auch ohne menschlichen Fahrzeugführer oder Insassen von A nach B fahren können. Dafür muss die Technologie so weit vorangeschritten sein, dass sich Autos – wie der VW Käfer „Dudu“ aus der legendären deutschen Filmreihe der 1970er Jahre – auch wirklich selbständig im Verkehr bewegen können.

Was uns zurück zum Ausgangspunkt des Artikels bringt. Denn autonom fahrende Shuttlebusse zeigen einen Weg auf, wie autonomes Fahren in den nächsten Jahren die Mobilität in unseren Städten Schritt für Schritt erobern könnte. Hier wird das Konzept des autonomen Fahrens mit zwei Einschränkungen umgesetzt. Zum einen ist die Geschwindigkeit der Fahrzeuge sehr weit gedrosselt und zum anderen fahren sie nur eine ausgewählte Strecke ab, auf die ihre Systeme sehr genau abgestimmt sind.

Fazit: Wird autonomes Fahren Fluch oder Segen sein?

Einige Autohersteller wie Tesla behaupten von ihrer Technologie, dass sie den Stand von Level 5 bereits heute so gut wie erreicht haben. Dennoch könnte das vollautomatisierte Fahren mit Fahrzeugen des Individualverkehrs, bei dem der Fahrzeugführer von der Verantwortung komplett entbunden ist, in Deutschland und Europa noch einige Jahre auf sich warten lassen. Das liegt daran, dass es noch zu viele Unwägbarkeiten gibt: Wie ist die Akzeptanz des autonomen Fahrens bei den Verbrauchern? Wer haftet bei Unfällen? Was bedeutet autonomes Fahren für die Verkehrsplanung? Wie steht es um die notwendige IT-Infrastruktur sowie die Sicherheit der verwendeten Informationstechnologie?

Dabei hat die Vision des autonomen Fahrens viel für sich. Autofahren wäre weniger stressig, viele Unfälle ließen sich vermeiden. Mit dem Schritt zum autonomen Fahren hätten schließlich auch Menschen die Möglichkeit, die Vorteile des Individualverkehrs für sich zu nutzen, die dazu bisher wegen ihres Alters oder ihrer körperlichen Verfassung nicht in der Lage sind.

Auf der anderen Seite werden wir als Autofahrer mit dem Übergang zum autonomen Fahren selbst immer überflüssiger werden. Für viele Menschen könnte sich die Frage stellen, ob sie überhaupt noch ein eigenes Auto benötigen, wenn sie selbst Steuer und Bremse in der Regel gar nicht mehr bedienen müssen. Vielleicht wird sich eines Tages das Spiel sogar ganz drehen und wir werden beweisen müssen, ob wir überhaupt dazu fähig sind, uns im Verkehr als menschliche Autofahrer mit unseren Pkws neben den intelligenten autonomen Fahrzeugen zu bewegen.

Kurz & knapp:
Die fünf Level des autonomen Fahrens sind eine international gültige Einteilung für den Grad der Automatisierung bei der Fortbewegung von Fahrzeugen. Sie zeigen, wie das Autofahren in den nächsten Jahren immer weiter technologisiert wird und die Mobilität sich wandelt. Wir könnten in der Zukunft vom Fahrer zum Passagier im eigenen Auto werden.

Über diesen Autor


Marc, 46, lebt in Hamburg in Hafennähe. Klimaschutz ist ihm sehr wichtig. Er wünscht sich dabei aber eine Debatte, die stärker die Gestaltungsspielräume für unsere Zukunft auslotet.

Fotos: Andrey Popov – stock.adobe.com, bht2000 – stock.adobe.com

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