Alte Handwerkskunst: Fünf faszinierende Berufe, die heute so gut wie ausgestorben sind

Korbflechter, Buchbinder, Schuhmacher: Viele alte Handwerksberufe sind vom Aussterben bedroht. Wohnbloggerin Nina wirft für euch einen Blick in eine Welt, die dabei ist, zu verschwinden und hat einen Tipp parat, wie ihr an langen Winterabenden auf unterhaltsame Weise so einiges über Handwerkskunst lernen könnt.

Manchmal wartet das Abenteuer an Orten, an denen man nicht unbedingt damit gerechnet hätte.  So ging es mir vor ein paar Jahren, als ich mit Freunden einen Ausflug in die „Pampa“ nordöstlich von Bremen unternommen habe. Unser eigentliches Ziel war das lauschige Künstlerdorf Worpswede. Weil es passte, besuchten wir an dem Tag außerdem die nur wenige Kilometer entfernt liegende Museumsanlage Ströhe-Spreddig in Hambergen. Denn dort fanden zu dem Zeitpunkt gerade die Handwerkertage statt.

Dabei handelt es sich um einen kleinen Markt mit vielen bunten Ständen, auf denen altes Kunsthandwerk präsentiert wird: Vom Schmied über Stuhlflechter und Besenbinder bis zum traditionellen Schuhmacher konnten wir dort alte Handwerkskunst zum Anfassen und selbst Ausprobieren bestaunen. Die vielen alten Werkzeuge und Apparate lassen erahnen, welches Geschick die Menschen früher hatten und wie viel Mühe es gekostet haben muss, um all die Dinge des täglichen Lebens zu produzieren, die für uns heute so selbstverständlich sind. Ich war sofort begeistert und wurde zum Fan alter Handwerkskunst. Im Folgenden stelle ich euch fünf fast vollständig ausgestorbene Berufe vor, die es mir besonders angetan haben.

Korbflechter

Früher waren Korbflechter aus dem Alltag nicht wegzudenken. Viele von ihnen zogen als reisende Hausierer über das Land, um ihre sperrige Ware direkt vor Ort an den Mann und die Frau zu bringen. Das wichtigste Naturmaterial von Korbflechtern – oder Korbmachern, wie sie auch genannt werden – sind Weidensträucher. Dabei besteht ein Großteil der Arbeit darin, das Rohmaterial so vorzubereiten, dass sich aus den jungen Ruten schöne, gleichmäßige Körbe flechten lassen. Deshalb beginnt die Arbeit des Korbflechters bereits mit dem Anbau geeigneter Sorten, die möglichst gleichmäßig und ohne vernarbte Triebe wachsen müssen. Sie werden in den Wintermonaten geerntet, getrocknet und vor dem Flechten in einem Wasserbad biegsam gemacht. Bei der Ausarbeitung der Körbe kommen verschiedene Flechttechniken zum Einsatz, die für die Haltbarkeit und den entsprechenden Look sorgen. Und falls ihr das nicht gewusst habt: Auf einem Marktplatz in Thüringen steht die (angeblich) größte Korbvase der Welt.

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Buchbinder

In Großstädten stoßt ihr noch ab und zu, vielleicht versteckt in einem Hinterhof, auf ein Schild, das auf einen Buchbinderbetrieb hinweist. Da Bücher schon seit mehreren Jahrzehnten industriell hergestellt werden, ist dieser Beruf, der früher sogar seine eigene Zunft hatte, immer mehr in Vergessenheit geraten. Buchbinder verdienten früher übrigens nicht nur mit dem Einbinden von Bibeln, Romanen und Universitätsschriften ihre Brötchen. Die von ihnen gebundenen Folianten waren für die Mitglieder der Kaufmannsgilde wichtig, die darin ihre Buchführung verfeinern und besser organisieren konnten. Heute arbeiten Buchbinder hauptsächlich für Bibliotheken, als Restaurateure – und als Kunsthandwerker für Buchliebhaber, die besonderen Wert auf die haptische Anmutung ihres Lesestoffes legen.

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Schuhmacher

Als passionierte Turnschuhträgerin bin ich auch einer der Totengräber dieses Berufes: Denn früher, bevor wir alle unsere Schuhe aus der Massenproduktion bezogen haben, war die Herstellung von Schuhen eine traditionelle Handwerkskunst. Schuhe wurden früher – für jeden, der es sich leisten konnte – nach Maß angefertigt: Von jedem Kunden wurden für links und rechts genaue Fußmaße genommen, nach denen zwei Holz-Dummys gefertigt wurden: die Leisten. Diese dienten als Vorlage für den Entwurf von Boden, Sohle und Schaft, den drei maßgeblichen Teilen, aus denen sich ein Schuh zusammensetzt: Sie werden über den Leisten gespannt und vernäht. Der anstrengendste Teil der Arbeit eines Schuhmachers erfolgt am Schluss. Dann muss nämlich der Leisten aus dem wie angegossen sitzenden Schuh gezogen werden. Heute gönnen sich diese erlesene alte Handwerkskunst nur noch Menschen, die viel Geld haben – oder Probleme mit ihren Füßen.

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Glasbläser

Auch Glasbläser werden viel seltener gebraucht als früher, weil viele Dinge, die sie früher hergestellt haben, heute maschinell produziert werden. Wer jedoch einmal selbst mitangesehen hat, wie so ein zerbrechlicher Glaskörper von einem Fachmann mit Mund und Händen unter großer Hitze geformt wird, verfällt sofort der Faszination dieses alten Kunsthandwerks. Kein Wunder, dass die Glasbläserei in Deutschland bereits in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Das liegt vielleicht auch daran, dass Glasbläser einer der ältesten Berufe der Welt ist: Die Wurzeln dieser Handwerkskunst gehen mehrere tausend Jahre zurück! Mit ein paar einfachen Accessoires und etwas Geschick könnt ihr sogar selbst zum Glasbläser werden. Mein Tipp für den nächsten Urlaub oder Ausflug in eine Glasbläserei: Einige Werkstätten bieten Kurse an, wo ihr unter Anleitung erste eigene Gehversuche beim Glasblasen machen könnt.

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Schmied

Auch die Wurzeln der Schmiedekunst reichen weit zurück: Bereits in der Bronzezeit, also etwa tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung, hatte diese alte Handwerkskunst ihre erste Blütezeit. Heute gibt es viele unterschiedliche Schmiede, wie den Gold- oder Silberschmied, den Hufschmied oder den Kunstschmied. Letzterer heißt heute übrigens nur noch ganz unromantisch „Metallbauer/in der Fachrichtung Metallgestaltung“. Während die Schmiedekunst als solche auch heute noch gebraucht wird, ist eine einst herausragende Figur dieses Berufsstandes so gut wie verschwunden: der Dorfschmied. Er war in gewisser Weise der Alleskönner unter den Schmieden und wurde für jedwede Reparatur von Metallen oder zur Herstellung von allen möglichen Gegenständen aufgesucht. Ältere Menschen, die auf dem Land groß geworden sind, erinnern sich oft noch an das klirrende Hämmern aus seiner Werkstatt, das entsteht, wenn der Hammer auf das glühende Eisen auf dem Schmiedeamboss niederrauscht. Wenn ihr diese magische Tätigkeit einmal selbst gesehen habt, versteht ihr, weshalb dieser Beruf früher von vielen Sagen und Geschichten umweht war.

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Tipps zum Weiterschmökern:
Viele weitere Einblicke in die Faszination alter Handwerkskunst findet ihr im TV-Format „Handwerkskunst“, das ihr in euch unbedingt für lange Winterabende bookmarken solltet.

ÜBER DIESEN AUTOR

Autorenportrait NIna
Nina, 40, liebt das stadtnahe Leben im Grünen und ihren Balkon. Vor ein paar Jahren wurde sie durch Zufall für alte Handwerkskunst begeistert.

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1 Kommentar

  1. Das gute alte Handwerk ist sehr wichtig und sollte nicht vergessen werden. Wir haben uns erst vor einigen Wochen einen wundervollen Schrank nach Maß von einer sehr tollen Tischlerei aus Luxemburg fertigen lassen. Absolut hochwertige Arbeit, dass findet man heutzutage nur noch selten.

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