Alles im Fluss: Ist Wohnen auf einem Hausboot die Zukunft?

Wohn-Blogger Marc liebt seine Wohnung am Hamburger Hafen und die Nähe zum Wasser in der Hansestadt. Dort wegzuziehen kommt nicht in Frage – außer vielleicht, er könnte nicht bloß am, sondern auf dem Wasser wohnen. Seit er in Hamburg eine neue Generation von Hausbooten gesehen hat, fragt er sich: Wohnt es sich in einem Floating Home vielleicht noch schöner? Hier teilt er seine Informationen.

In einem schwimmenden Haus wohnen und von Abenteuer zu Abenteuer fahren: Seit ich als Kind die ersten Hausboote in Büchern und Filmen entdeckt habe, bin ich Fan. Jahre später im Urlaub hab ich’s dann ausprobiert und gemerkt: Die kleinen Hausboote zum Mieten, mit denen man ohne Führerschein Kanäle entlang schippern kann, fallen eher in die Kategorie „schwimmendes Wohnmobil“. Durchaus gemütlich, aber auch ganz schön eng. Ich brauche Luft und Licht um mich – und hab mich von dem Traum vom Leben auf dem Boot erst mal verabschiedet. Moderne Hausboote können aber genau das: Sie bieten helle, luftige Räume statt rustikalem Kutter-Charme. Großzügige Fenster, die aus dem Wohnraum den Blick aufs Wasser oder die Hafen-Szenerie freigeben, klare Linien statt knorrigem Schiffsrumpf – Wohnen auf dem Wasser hat ein neues Niveau erreicht, ohne dabei an Charme einzubüßen.

Neben der Romantik hat ein Hausboot in Zeiten der Wohnraumknappheit einige Vorteile: Man braucht kein Grundstück. Man kann zentrumsnah und trotzdem ein Stück abseits vom Trubel sein – oder mitten in der Natur anlegen. Und wenn es einem dort nicht mehr gefällt, kann man das komplette Zuhause an einen anderen Liegeplatz fahren, wobei Letzteres nur bei wirklich fahrtüchtigen oder zumindest transportablen Wohnbooten, aber nicht bei fest verankerten Floating Homes der Fall ist. Und da sind wir auch schon mitten im Thema: Hausboot, Wohnschiff – was ist eigentlich was?

Überblick: Von Hausboot bis Floating Home

Streng genommen ist ein Hausboot wirklich nur ein Motorboot, auf dem auch gewohnt werden kann. Es hat einen Antrieb und ist dank eingebauter Tanks für Frischwasser, Treibstoff und Abwasser unabhängig vom Versorgungsnetz an Land. Je nach Größe bieten solche Hausboote Platz für ein Dutzend Gäste und sind mit Küche, Bad und Heizung mehr oder weniger luxuriös ausgestattet. Taugt das zum Wohnen? Mit einer Sportbootzulassung braucht ein solches Zuhause keine Baugenehmigung, kann einfach in einem beliebigen Hafen anlegen und verlangt vom Besitzer, je nach Größe und Motor, nicht mal einen Bootsführerschein. Ein solches Hausboot aber als dauerhaftes Domizil zu nutzen: Das muss man schon wirklich wollen. Denn ähnlich wie bei einem Campingwagen ist das Platzangebot beim Hausboot begrenzt und Funktionalität geht oft vor Bequemlichkeit oder Ästhetik.

Von Wellen in den Schlaf gewiegt: Leben auf dem Hausboot

Ist ein Boot aber länger als 25 Meter, gilt es für die Behörden nicht mehr als manövrierfähig und braucht einen festen Liegeplatz. Dann fällt das Ganze in die Kategorie Schwimmhaus oder Floating Home. Weil Schwimmhäuser auf Stabilität statt Mobilität ausgelegt sind, ist bei ihnen auch mehr Luft nach oben für mehrere Etagen. Schwimmendes Zuhause mit Dachterrasse? Dafür würde sogar ich meine Wohnung am Hafen aufgeben. Schwimmhäuser werden auf einem Ponton gebaut und fest verankert. Richtige Schiffe sind sie dann nicht mehr: Sie haben keinen Schiffsrumpf, keinen Antrieb, sind aber dafür meistens mit dem örtlichen Strom- und Abwassernetz verbunden.

Die Übergänge sind natürlich fließend: Oft entstehen Wohnboote aus umgebauten Binnenschiffen, die aber meistens keinen Antrieb mehr haben und fest verankert an einem Platz bleiben. Wer ein Herz für altes Holz und einen richtigen Schiffsrumpf hat und dafür in Kauf nimmt, dass der Bequemlichkeit Grenzen gesetzt sind und die Instandhaltung aufwendig ist, der ist bei dieser Art von Hausboot richtig.

Wie geht Wohnen auf dem Wasser in Deutschland?

Einfach irgendwo ein Haus auf dem Wasser bauen geht natürlich nicht, wenn es nicht gerade der eigene Gartenteich ist. Schon allein aus Naturschutzgründen sollen die Ufer von Gewässern nicht mit Stegen und Versorgungsleitungen verbaut werden. Städte an der Küste und an Wasserwegen kommen aber mittlerweile mehr und mehr auf den Geschmack: Wenn Wohnraum knapp ist, warum nicht aufs Wasser ausweichen? Teils sorgen die Städte selbst für den Bau entsprechender Wohnanlagen, teils werden einfach Liegeplätze angeboten und die Ausgestaltung des Wohnboots bleibt dem Mieter überlassen.

Was man für ein dauerhaft vor Ort liegendes Floating Home neben einer Baugenehmigung auf jeden Fall braucht, ist eine wasserrechtliche Genehmigung, für die das schwimmende Schmuckstück genau unter die Lupe genommen wird. Auch die Schwimmfähigkeit wird in Abständen immer wieder überprüft – dafür müssen Taucher unters Hausboot. Daneben gibt es regionale Sonderregeln, an die sich Schwimmhausbesitzer halten müssen. Besonderheit in Hamburg zum Beispiel: schwimmende Häuser müssen so bemessen und gebaut sein, dass sie im Falle eines Schadens in ein Dock geschleppt werden können – dafür müssen sie unter Brücken und durch Kurven passen. Überhaupt: Hamburg ist in Sachen Hausbootbau Vorreiter in Deutschland. Die Hansestadt hat ein umfassendes Regelwerk aufgestellt, das potenziellen Schwimmhäuslebauern Informationen liefert. Andere Städte wie Köln oder Duisburg haben auch bereits Erfahrung mit schwimmenden Häusern. Und wo schon welche sind, wird es leichter, neue zu bauen. Derzeit übersteigt die Nachfrage aber tatsächlich das Angebot an geeigneten Liegeplätzen. In industriell genutzten Stadtteilen sind die Chancen derzeit besser als an idyllischen Seen und Flussgegenden.

So wird ein Haus auf dem Wasser gebaut

Basis für Floating Homes sind heute oft Pontons aus speziellem Aluminium oder Kunststoffen. Besonders stabil gegen Wind und Wellen sind auch wasserdichte Betonwannen, die allerdings mehr kosten und wegen ihres Gewichts nicht mobil sind. Was oben auf dem Ponton steht, sollte vor allen Dingen nicht zu schwer sein. Statt Steinwänden wird also eine Holzrahmenbauweise gewählt. Naheliegend und charmant sind auch Varianten, die wie Seecontainer konstruiert oder direkt daraus gemacht sind. Was den Komfort und die technische Ausstattung angeht, muss ein Hausboot oder Schwimmhaus hinter einer modernen Stadtwohnung nicht zurückstehen. Bei fest verankerten Modellen ohne Antrieb kann alles genutzt werden, was das vorhandene Versorgungsnetz hergibt: Strom, Frischwasser, Gas und Internet kommen durch flexible Leitungen an Bord. Das Abwasser wird mittels einer Hebeanlage entsorgt. Spülmaschine und Smart-Home-Gadgets? Alles möglich. Rundumversorgung ist aber nur eine Option: Wer sein Boot autonomer ausstatten will, kann mit Solartechnik selbst für warmes Wasser und Strom sorgen und mittels Batterien oder Generator sonnenarme Zeiten überbrücken. Ist das schwimmende Haus so gut isoliert wie ein modernes Energiesparhaus, kann die Heizung durch eine Wärmepumpe ihre Energie aus dem Wasser holen.

Hausboot: eine günstige Alternative?

Zwar lockt die Idee, ein ausgefallenes Eigenheim zu besitzen, ohne ein Grundstück kaufen zu müssen. Dabei gilt es aber zu bedenken: Ein gut ausgestattetes Hausboot kann, je nach Größe und Ausstattung, genau so viel kosten wie eine Eigentumswohnung oder ein kleines Häuschen. Dazu kommen neben den Kosten für die Instandhaltung auch die für Versicherungen und Liegeplatzgebühren. Letztere können happig ausfallen und in beliebten Gegenden mehrere tausend Euro pro Jahr betragen.

Unterm Strich gilt: Wenn man sich endlich von sanften Wellen auf dem eigenen Hausboot in den Schlaf wiegen lassen kann, hat man sich das auch wirklich verdient – davor kommt nämlich ein ganz schön anstrengender Behördenmarathon mit ermüdend vielen Anträgen und Gutachten.

Ich bleibe wohl also trotzdem erst mal mit beiden Beinen auf festem Boden und werfe nur hin und wieder mal einen sehnsüchtigen Blick auf die Hamburger Hausboote. Und wer weiß, vielleicht, eines Tages…

 

 Zahlen und Fakten

  • Genaue Zahlen gibt’s keine, aber Experten vermuten, dass es nur wenige Hundert schwimmende Häuser in Deutschland gibt. Viele davon sind nur als Feriendomizile konzipiert.
  • In Wien schwimmt seit 1994 eine ganze Schule: Das Bertha-von-Suttner-Gymnasium besteht aus zwei Schiffen und hat Platz für 36 Klassen und eine Turnhalle.
  • Kurios: Nicht jede Stadt erkennt ein Boot als Erstwohnsitz an.
    Für Boote mit weniger als 15 PS braucht man keinen Bootsführerschein – Ausnahme ist der Rhein: Dort ist schon ab 5 PS einer fällig. Bei Hausbooten zum Mieten gelten wiederum andere Regeln auf bestimmten Binnengewässern.

 

Über diesen Autor

Marc, 45, lebt in Hamburg in Hafennähe. Und das leidenschaftlich gern. Die Nähe zum Wasser hat in geprägt und begeistert ihn nach wie vor. Kein Wunder also, dass ihn das Thema Hausboot fasziniert.

 

Fotos: Susanne – stock.adobe.com; sweasy – stock.adobe.com

Diesen Artikel teilen

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.