Ab wann gilt mein Fahrzeug eigentlich als Oldtimer?

Kühlergrill eines Oldtimer blickt unter Plane hervor

Bereits als Kind hat unser Blogger Marc seinem Vater mit leuchtenden Augen über die Schulter geschaut, als dieser stundenlang an seinem tannengrünen Porsche 911 schraubte. Nun hat er das alte Auto geerbt. Doch bevor er die Erinnerungen wieder aufleben lassen konnte, sah er sich mit organisatorischen Fragen konfrontiert: Ab wann gilt ein Fahrzeug offiziell als Oldtimer, welches Kennzeichen wird benötigt und welche steuerlichen Vorteile ergeben sich?

In diesem Fahrzeug habe ich mit 16 Jahren heimlich gesessen und meinen Schul-Schwarm das erste Mal geküsst. Zwei Jahre später durfte ich nach Erhalt meines Führerscheins den 230-PS-starken Motor endlich aufgröhlen lassen. Als neuer Besitzer des Wagens mache ich mir nun aber auch Gedanken über Zulassung, Versicherung und Kraftstoff. Schließlich möchte ich noch lange Freude an meinem Oldtimer haben. Und das war auch schon die erste Frage, die mich beschäftigte. Ab wann darf ich mein Auto überhaupt als Oldtimer bezeichnen?

Der Unterschied zwischen einem Oldtimer und einem Youngtimer

Ob ein Fahrzeug in die Kategorie Oldtimer fällt, entscheiden nicht allein die Jahre, die es auf dem Buckel hat. Laut Zulassungsverordnung des Bundesamts für Justiz müssen dafür mehrere Kriterien erfüllt sein. So gelten allein Fahrzeuge als Oldtimer, die vor mindestens 30 Jahren das erste Mal am Verkehr teilgenommen haben und „weitestgehend dem Originalzustand entsprechen“. In der Regel muss das Fahrzeug noch zu rund 90 Prozent aus Originalteilen bestehen, bzw. lediglich zeitgenössische Änderungen aufweisen. Außerdem sollte sich das Auto technisch gesehen in einem guten Zustand befinden und darüber hinaus „zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienen“. Frei übersetzt beschreibt der letzte Punkt die Teilnahme an Oldtimer-Treffen, Ausstellungen oder Wettbewerben. Wenn ein Fahrzeug diese Bedingungen – von einem Sachverständigen geprüft und beglaubigt – erfüllt, kann der Besitzer seinen fahrbaren Untersatz als Oldtimer anmelden.

Eine allgemeingültige Definition von Youngtimern gibt es hingegen nicht. Es sind aber meistens ausgesuchte Liebhaberstücke, vielfach Sportautos oder Fahrzeuge der Oberklasse. Und auch sie müssen bereits ein gewisses Alter erreicht haben. In der Regel sind Youngtimer zwischen 15 und 29 Jahre alt und ebenfalls in einem guten Zustand. Im Gegensatz zu einem Oldtimer muss ein Youngtimer keine Prüfung durchlaufen, der Fahrzeughalter erhält auch kein spezielles Zertifikat. Einige Versicherungsträger bieten Young- wie Oldtimern jedoch Sonderkonditionen an.

Oldtimer-Zulassung: Diese Kennzeichen lohnen sich

Wer einen Oldtimer besitzt, hat beim Thema Kennzeichen die Qual der Wahl. So kann ein reguläres Kennzeichen ausreichend und unter finanziellen Aspekten sogar attraktiv sein. Entscheidend ist hierbei der Hubraum des Autos. Wird die magische Grenze von 700 ccm Hubraum überschritten, kommt die übliche Zulassung dem Fahrzeughalter teurer zu stehen als ein H-Kennzeichen. Dieses ist unter Oldtimer-Besitzern nicht ohne Grund besonders beliebt. Das „H“ in H-Kennzeichen, auch Oldtimer-Kennzeichen genannt, steht für „historisch“. Vorteile ergeben sich insbesondere für Personen, die ihren Klassiker das ganze Jahr über in Betrieb nehmen möchten. Haben sie das H-Kennzeichen von der Zulassungsstelle ausgehändigt bekommen, winkt eine pauschale Kfz-Steuer. Unabhängig von Hubraum und Verbrauch zahlt ein Fahrer mit Oldtimer-Status 191,73 Euro für einen Pkw oder Lkw, 46,02 Euro für ein Motorrad. Darüber hinaus gilt sogar eine Ausnahmegenehmigung zum Befahren von Umweltzonen in Deutschland, ohne dass dafür eine grüne Feinstaubplakette vorhanden sein muss.

Auch im Hinblick auf die Versicherung entscheidet sich der Großteil der Oldtimer-Liebhaber für das H-Kennzeichen. Aus zweierlei Gründen fällt sie nämlich besonders günstig aus: Zum einen werden ältere Fahrzeuge seltener gefahren und zum anderen gehen Fahrer von Klassikern besonders vorsichtig mit ihren Schätzchen um. Obendrein profitieren Besitzer einer Oldtimer-Versicherung von Konditionen, die eine reguläre Versicherung nicht bietet. Hierzu gehören beispielsweise eine Versicherung des Wiederaufbauwertes und eine Vorsorgeversicherung bei Wertsteigerung.

Oldtimer vor gebirgiger Landschaft
Einige Oldtimer-Liebhaber fahren ihre Schmuckstücke nicht nur in der schönen Jahreszeit, sondern das ganze Jahr hindurch

Für Schönwetterfahrer, die ihren Klassiker in den kalten Wintermonaten lieber gut geschützt in der Garage stehen lassen, fällt die Wahl eher auf ein Saison-Kennzeichen. Der Versicherungsbeitrag fällt je nach Nutzungsdauer unterschiedlich hoch aus. Je mehr Monate der Wagen am Stück gefahren werden soll, desto teurer wird auch der Beitrag. Im ausgewählten Zeitraum, der zwischen zwei und elf Monaten liegt, wird das Fahrzeug automatisch zugelassen. Dadurch entfällt der Aufwand für An- und Abmeldungen.

Der eine sammelt Briefmarken, der andere eben Oldtimer. Für solche Fahrzeughalter bieten rote Kennzeichen die besten Konditionen. Das rote 07er-Kennzeichen ist ein Wechselkennzeichen, das für mehrere Fahrzeuge verwendet werden kann. Allerdings erlaubt es ausschließlich Probe-, Prüfungs- und Überführungsfahrten. Das Führen eines Fahrtenbuches ist vorgeschrieben und wird bei Missachtung mit hohen Bußgeldern bestraft. Während das rote 07er-Kennzeichen auch von Privatpersonen in Anspruch genommen werden kann, ist das rote 06er-Kennzeichen allein gewerblichen Nutzern vorbehalten.

eFuels: klimafreundlicher Kraftstoff auch für Oldtimer?

Ältere Motoren, die meistens in Oldtimern verbaut sind, benötigen einen speziellen Umgang. Und sind auch hinsichtlich der Kraftstoffqualität häufig anspruchsvoller als ihre Nachfolger. Doch hier zeichnet sich Abhilfe für das schlechte Umweltgewissen ab: Alternative und klimafreundliche Kraftstoffe wie die synthetischen eFuels sind unter eingefleischten Oldtimer-Liebhabern längst ein Thema. Denn mit diesen Future Fuels können auch die älteren Motoren perspektivisch klimaneutral betrieben werden. Die Entwicklung hierfür ist im vollen Gange, sodass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch sie mit eFuels betankt werden können. Und jeder Oldtimer-Besitzer weiß: Gutes muss reifen.

Kurz & knapp:
Bevor der geliebte Fahrzeug-Veteran als Oldtimer auf deutschen Straßen fahren kann, bedarf es einiger Formalitäten. Doch der Aufwand lohnt sich, denn mit der richtigen Versicherung und Zulassung ist der Unterhalt eines Oldtimers vergleichsweise günstig.

Über diesen Autor


Marc, 47, lebt in Hamburg in Hafennähe. Er war schon immer fasziniert von klassischen, PS-starken Autos, doch auch der Klimaschutz liegt ihm am Herzen. Umso glücklicher ist er, dass er seinen Oldtimer dank alternativer Kraftstoffe perspektivisch ohne schlechtes Gewissen fahren kann.

Fotos: Petra – stock.adobe.com; mabofoto@icloud.com – stock.adobe.com

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